Anthropometrie – Fettanteil per Körpervermessung bestimmen

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Anthropometrische Methoden zur Körperfettmessung

Lässt sich der Körperfettanteil alleine durch die Vermessung des Körpers berechnen?

Dieses Ziel verfolgen jedenfalls die sogenannten anthropometrischen Methoden zur Bestimmung des Fettanteils.

Inwieweit dies gelingt und welche Methoden existieren, wird in diesem Artikel genauer erörtert.

1. Anthropometrie und Körperfettmessung

Die Anthropometrie (von griechisch Mensch und Messen) beschäftigt sich mit der Vermessung des menschlichen Körpers sowie der Anwendung der gewonnen Maße.

Was wird gemessen?

  • die Körpergröße
  • das Körpergewicht
  • der Umfang von Bauch, Taille, Hüfte, Nacken und der Oberarme
  • die Dicke der Hautfalten an verschiedenen Körperstellen

Als Messinstrumente dienen – je nach anthropometrischer Methode – ein einfaches Maßband  bzw. eine Kaliperzange.  Ergänzend kommt, wo benötigt, eine Gewichtswaage * hinzu.

Anwendungsgebiete

Wichtige Anwendungsgebiete der Anthropometrie sind

  • die Ermittelung von Konfektionsgrößen bei Kleidungsstücken
  • die Ergonomische Gestaltung von Autositzen, Möbeln, Arbeitsplätzen und Werkzeugen. etc.

 

Wie kommt man zum Körperfettanteil?

Die anthropometrischen Methoden beruhen in der Regel auf dem sogenannten Zwei-Kompartiment-Modell. Dieses dient zur Beschreibung der Körperzusammensetzung.

Das Modell geht vereinfachend davon aus, dass sich der menschliche Körper lediglich aus Fett und der fettfreien Masse (Knochen, Muskeln, etc) zusammensetzt.

Die Berechnung des Fettanteils erfolgt mit Hilfe von Formeln, die aus einer Regressionsanalyse gewonnen werden.

Regressionsanalyse: Ermitteln der Fettformel

Nehmen wir als Beispiel die US-Navy-Methode.

Die Regressionsanalyse macht natürlich nur Sinn, wenn zwischen dem Körperfett einerseits und dem Gewicht und dem Bauchumfang andererseits ein Zusammenhang besteht bzw. vermutet wird.

Es  wäre sinnlos, eine Korrelation zwischen der Haarlänge und dem Körperfett zu suchen. Denn es gibt sie nicht. Mir ist jedenfalls keine bekannt.

Feldanalyse

Man misst dazu das Gewicht sowie den Bauchumfang von einer hinreichenden Zahl an Testpersonen.

Außerdem wird ihr Körperfett mit einer sehr genauen Referenzmethode ermittelt. Dazu eignet sich das sogenannte DXA Verfahren.

Anschließend sucht man einen mathematischen Zusammenhang zwischen den Daten aus dem Referenzverfahren und den Gewichts- und Bauchumfangs-Daten der Probanden.

Dies führt zu einer optimierten Regressionsgleichung.

2. YMCA-Methode – Messung des Bauchumfangs

Bei der YMCA-Methode wird der Körperfettanteil anhand des Bauchumfangs und Gewichts berechnet.

Die YMCA Formel setzt das Bauchfett zum Körpergewicht in Beziehung.

Deshalb ist die YMCA Formel für Fettverteilungstypen mit mehr Fett am Bauch („Apfeltyp“) besser geeignet  als für den „Birnentyp“,  bei dem das Fett am Gesäß und an der Hüfte sitzt.

Frauen entsprechen eher dem letzteren Typ. Deshalb wurde die originale YMCA Formel für Frauen etwas verändert.

YMCA-Formel für Männer

 \boxed{KFA=\frac{74.11 BU -4464}{G}-8.2}

YMCA-Formel für Frauen

 \boxed{KFA=\frac{74.11 BU -3482}{G}-8.2}

Abkürzungen und Dimensionen:

  • KFA: Körperfettanteil in %
  • BU: Bauchumfang in cm
  • G: Körpergewicht in Kg

Die Werte, die über diese Methode ermittelt werden, müssen als grobe Schätzung angesehen werden.

Sie liefert bei Frauen im allgemeinen noch ungenauere Werte als bei den Männern.

Gesundheitskritisch werden Werte für den Bauchumfang ab 80 cm bei Frauen bzw.  ab 88 cm bei Männern laut WHO angesehen.

3. US-Navy Methode – Körperumfangmessung

Diese Methode wurde  von James A. Hodgdon und Marcie B. Beckett für die US Navy entwickelt. Deshalb wird sie als US-Navy Methode bezeichnet.

Man benötigt dazu außer einem Maßband * keine weiteren Hilfsmittel.

Gemessen wird der Umfang am Bauch, Nacken und an der Hüfte (bei Frauen)  sowie die Körpergröße.

Die Formeln für den Körperfettanteil (KFA) unterscheiden sich je nach Geschlecht.

US-Navy Formel (Männer)

 \boxed{KFA=86.010 \log_{10}(BU-NU)-70.041 \log_{10}(KG)+30.30}

US-Navy Formel (Frauen)

 \boxed{KFA=163.205 \log_{10}(BU+HU-NU)-97.684 \log_{10}(KG)+104.912}

Gemessen werden folgende Körpermaße:

  • Bauchumfang (BU in cm)
    Messung auf Höhe des Bauchnabels. Das Maßband wird dabei horizontal um den Körper gelegt.
  • Nackenumfang (NU in cm)
    Messung unterhalb des Kehlkopfs
  • Körpergröße (KG in cm)
  • Hüftumfang (nur bei Frauen) (HU in cm)
    Die breiteste Stelle an der Hüfte wird gemessen.

Sowohl die YMCA-Methode also auch die US-Navy-Methode liefern im allgemeinen (sehr) ungenaue Ergebnisse.

4. Caliperzange – Messung der Hautfaltendicke

Die Caliper Methode besitzt eine relativ hohe praktische Akzeptanz bei hinreichend guter Genauigkeit.

Mit Hilfe einer Körperfettzange – auch Caliperzange  * genannt – wird die Hautfaltendicke an verschiedenen ausgewählten Körperstellen bestimmt.

Dazu wird die Haut mit Hilfe des Daumens und Zeigefingers etwas abgehoben, und die doppelte Hautfalte mit einer Kaliperzange gemessen.

Genau genommen gibt es nicht nur eine einzige Formel für die Hautfaltenmessung, sondern mindestens 7 verschiedene Formeln sind in der Fachliteratur bekannt.

Diese unterscheiden sich darin, welche Körperfalten und wie viele verschiedene Körperfalten gemessen werden.

An dieser Stelle wird die 3-Falten-Formel nach Jackson und Pollock, die in der Praxis stark verbreitet ist, vorgestellt.

3-Falten Formel nach Jackson & Pollock

Jackson und Pollock haben eine ganze Reihe von verschiedenen Formeln für die Körperfettmessungen mittels Hautfalten entwickelt.

In die sogenannte 3-Falten Formel wird neben der Summe von drei verschiedenen Körperfalten (Männer: Schulter, Trizeps, Brust; Frauen: Bauch, Hüfte, Trizeps) auch das Alter und das Geschlecht berücksichtigt.

Die Hautfaltendickenmessung ist durch die hohe Korrelation zwischen dem Unterhautfett und dem Gesamtkörperfett motiviert.

Denn etwa 60% des Körperfetts sitzt in der Unterhaut.

Allerdings handelt es sich hierbei um Durchschnittswerte. Die Werte variieren naturgemäß von Mensch zu Mensch.

Das gesundheitsrelevante Viszeralfett im Bauchinneren kann mit der Kaliperzange nicht gemessen werden.

Dennoch besitzt die Kaliper Methode eine hohe praktische Anwendung. Die Messgenauigkeit gilt im allgemeinen als gut bis befriedigend, insofern man die Messung mit der Kaliperzange korrekt durchführt.

Diese Methode ist in der Sportmedizin und bei Bodybuildern sehr beliebt.

Fazit

Die Bestimmung des Körperfettanteils mit Hilfe anthropometrischer Methoden gelingt nur bedingt.

Sowohl die US-Navy- als auch die YMCA-Methode liefern im allgemeinen sehr ungenaue Ergebnisse für den Körperfettanteil.

Einzig bei der Messung mit der Kaliperzange resultieren befriedigende Ergebnisse für den Körperfettanteil, was die Genauigkeit betrifft.

 

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